Zeit mit der Familie

Dass ich hier das Arschloch bin, ist klar. Ich bin ja die Veganerin.
Natürlich will ich allen alles aufzwingen, das ist ja so offensichtlich, kein Wort muss darüber verloren werden.
“Du hast dich entschieden, gesund zu essen, aber das heißt nicht…” meint Mama.
“Nur, weil du gegen Milch bist!”, weiß mein kleinster Bruder, dem ich, inzwischen um einige Jahre regrediert, die Milchpackung als Ergänzung seines Mittagessens, dargestellt von einer Schüssel Vanillepudding, aus der Hand winde.
Der Pudding ist ein Druckmittel, um diesen charakterlich unangenehmen  Menschen unter die Dusche zu komplementieren. Mein kleinster Bruder ist nicht nur fast so groß wie ich, sondern auch zumindest 15 kg schwerer. Meine Mutter ist dabei, den Pudding, den er ihr befohlen hat, eben doch nicht zur Ausübung ihrer spärlichen Macht zu nutzen.
Mein kleinster Bruder, am Weg in Richtung Bad, greift sich eine Faust voll Keksen für die Reise. Die hab ich gemacht, es sind nicht viele, weil es nur ein Experiment war, eigentlich, und, inzwischen kaum noch acht Jahre alt, pack ich ihn kreischend und beutle alle bis auf zwei aus seiner gut gefüllten Hand.
Klar, dass das alles mit dem V-Wort zusammenhängt.
Ich, die Veganerin, das Arschloch hier.

Weiters ist es überheizt, meine Mutter macht in ihrer Selbstständigkeit große Rückschritte, mein Vater perfektioniert die Kunst, für nichts Unangenehmes zuständig zu sein, und wir alle machen einander Schuldgefühle, wo das nur geht.
Ich grüß alle ganz lieb, die mich in letzter Zeit mal gebeten haben, was zu schreiben, und hoffe, dass dieser Post dem gewohnten Gejammer nahe kommt. Außerdem hält man mich für verrückt, weil ich lieber Salat esse als Unmengen von Brot mit irgendetwas drauf, man durchschaute meine schlüpfrige Ausrede von wegen “ich brauch mehr Gemüse als Getreide, sonst werd ich müde, unkonzentriert und launisch” auf Anhieb.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Leben insgesamt.

4 Antworten zu Zeit mit der Familie

  1. Nathaniel

    Oh, du, schreibst wieder :) Ach, das freut mich, du. Ich hatte garnicht mehr damit gerechnet. Wie auch immer, ich glaub, ich hol mir dann mal Kekse, ganz vegan.

  2. mockturtle

    (Ich bin ja leider nicht so kreativ, deshalb werde ich langweiligerweise auf die Pseudoschildkröte zurückgreifen müssen.)
    Also, was ich eigentlich sagen wollte: Schön, dass du wieder schreibst. Man darf doch darauf hoffen, dass es in den nächsten paar Jahren wieder einen neuen Eintrag (oder wie man so was nennt) gibt?

  3. Lieber Friedensfisch

    Ich glaube, nicht vorhandene Akzeptanz zeugt davon, dass jemand nicht mit einer Sache umgehen kann, ich finde es toll, dass du vegan bist und dazu stehst, bleib bei deiner Meinung.

    Dein Wortklauber

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